FECHTER AUF DARTH VADERS SPUREN

In Frankreich gibt es offizielle Lichtschwert-Kämpfe, in Deutschland nicht. Der OFC Bonn ist offen für Neuerungen.
Artikel im Generalanzeiger Bonn, Samstag/Sonntag 23./24.02.2019, Seite 20.
Autoren: Florian Krebl und Berthold Mertes, Paris/Bonn.

Darth Vader schaut ganz genau hin, wenn in der französischen Gemeinde Beaumont-sur-Oise die Lichtschwerter surren. Zustimmend nickt der dunkle Lord der Star-Wars-Saga, sein Atem rasselt, so wie es seit über 40 Jahren jedes Kind von ihm kennt. Vader gefällt, was er sieht: Normale Menschen, und nicht nur Jedi und Sith, schlagen sich Laserschwerter um die Ohren. Und das alles auf Geheiß des französischen Fecht-Verbandes.

Um junge Menschen für die „angestaubte“ Sportart zu gewinnen, geht die Federation Francaise d’Escrime (FFE) neue Wege. Sie hat bereits im Mai 2018 Lichtschwert-Kämpfen als offizielle Disziplin anerkannt und Mitte Februar – eben in Beaumont-sur-Oise – ihr zweites Turnier steigen lassen. Mittendrin: Lord Vader. Natürlich nicht der Echte, denn der kam ja 1983 in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ durch die Hand seines Sohnes Luke Skywalker ums Leben.

In Deutschland ist die Idee mit den Lichtschwert-Kämpfen noch nicht angekommen. „Davon habe ich noch nie gehört“, sagt Gudrun Nettersheim, Präsidentin des OFC Bonn, der zu den führenden Vereinen der Nation zählt.
Der OFC beklagt die gleiche Entwicklung wie die meisten anderen Fechtvereine – nämlich „deutlich weniger Nachwuchs als noch vor 20 Jahren“, so Nettersheim.

Sportler mit internationaler Perspektive wie der aktuell bei den Junioren-Europa-meisterschaften in Foggia antretende OFC-Degenfechter Fabio Murru sind trotz der guten Rahmenbedingungen am Olympiastützpunkt in Bonn Ausnahmeerscheinungen. Deshalb wäre die OFC-Chefin offen für Neuerungen: „Warum nicht? Es ist immer gut, ausgetretene Pfade zu verlassen.“ 
Ein bisschen, so Nettersheim, könne das vielleicht Anziehungskraft entfachen wie früher die Legenden, die Kinder zu Ritterspielen veranlassten. Nicht zuletzt der Roman von Alexandre Dumas über d’Artagnan und die drei Musketiere.

Zurück im Hier und Jetzt, ob hierzulande oder im Nachbarland: Die Begeisterung für Star Wars ist bei Kindern und jungen Erwachsenen auf einem neuerlichen Höhepunkt, weshalb der französische Verband Nägel mit Köpfen gemacht hat.

„Wir haben es geschafft, Geeks in den Sport zu integrieren. Das ist großartig“, sagte Michael Ortiz, der Lichtschwert-Beauftragte der FFE, der Tageszeitung Le Monde: „Und es interessieren sich Sportler für das Universum von Star Wars, die keinen der Filme gesehen haben.“

Wahrlich ist das Kämpfen mit dem Lichtschwert eine Mischung aus Fechten und den Eigenheiten der Saga. Die Waffen sind den Schwertern aus den Filmen nachempfunden. Aus hartem Kunststoff gefertigt funktionieren sie mit LED-Licht und kosten rund 130 Euro pro Stück. Geschützt werden die Kämpfer mit Gesichtsmaske, Brustpanzer und Handschuhen, wie es beispielsweise im recht körperbetonten Mannschaftssport Lacrosse üblich ist.

Das Punktesystem der Wettkämpfe erinnert stark an den traditionellen Fechtsport.
Wie beim Turnier in Beaumont-sur-Oise, an dem insgesamt 34 Kämpfer (zwei Frauen) teilnahmen, gewinnt in jedem Duell der Athlet, der zuerst 15 Punkte erreicht. Oder nach drei Minuten in Führung liegt. Für einen Kopftreffer gibt es fünf, für die Beine drei Zähler. Auch auf die Ästhetik a la Star Wars wird geachtet, denn es zählen nur Schläge, bei denen die Spitze des Schwerts vorher nach hinten deutete. Also kein Stechen wie beim Fechten.

All das ist so beliebt, wie Fechten es lange nicht war. Mittlerweile gibt es 1100 Lizenz-nehmer für sogenannte „Laser Lightsaber Academys“ und 92 Vereine. „Ich war sehr weit von dem Sport entfernt und hatte Spaß. Aber heute bin ich nicht mehr zum Spielen da und sehe es als echten Sport an“, sagte Julien, der an der Academy in Metz die ungewöhnliche Kampfkunst studiert.

So weit ist die Entwicklung in Deutschland noch nicht – Interesse aber vorhanden. Zwar sagt Sven Ressel, Sportdirektor vom Deutschen Fechter-Bund, dass sich sein Verband mit dem Thema „intern noch gar nicht“ beschäftigt habe. Aber offen sei er nach eigener Aussage ganz bestimmt. „Ich glaube, dass solche Dinge immer neue Türen öffnen“, sagte Ressel: „Wenn dann durch solche Maßnahmen auch der Einstieg in den allgemeinen Sport und später vielleicht in den Leistungssport passiert, ist das natürlich klasse.“

Verglichen mit Jugendbewegungen wie dem eSport, der vehement auf seine Anerkennung als Sportart drängt, wäre Ressel ein Modell nach Marke Lichtschwert für die Zukunft sogar lieber: „Das ist mit Sicherheit auch der bessere Weg als eSport. Weil dann auch wirklich eine körperliche Ertüchtigung passiert. Und nicht auf der Couch Fingerbewegungen stattfinden.“
sid/ga

Das Sport-Team des Generalanzeigers Bonn beim OFC

Das Sport-Team des Generalanzeigers Bonn testet Sportarten und berichtet dazu.
Ein gut geschriebener Artikel über den Besuch bei uns im OFC ist über den folgenden Link erreichbar.

http://www.general-anzeiger-bonn.de/sport/gateam/Das-G-A-Team-testet-Fechten-article4043061.html

Ergänzt durch ein kurzes Video:

Einen großen Dank an das G-A-Team. Uns hat es Spass gemacht.
Und ein Gefecht mit 4:5 abzugeben, ist für den Anfang gar nicht schlecht 🙂

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